k blogNachdem die Geschichte von Jules und Jer mich doch emotional mehr mitgenommen und auf positive Weise sehr lange begleitet hat, als ich anfangs für möglich gehalten hätte, brauchte ich ein paar Monate, bis ich mich soweit von ihnen trennen konnte, um richtig mit meinem neuen Projekt beginnen zu können.

Nathan und Lexi, aus meinem neuen Roman "Wenn du mich sehen könntest", der vorraussichtlich im Mai/Juni erscheinen wird, schweben mir nun schon seit geraumer Zeit im Kopf herum. Sie haben es in den letzten paar Monaten geschafft, mein Herz zu erobern und mich beim Schreiben wirklich glücklich zu machen. Ich bin selbst wieder sehr berührt von Szenen, fiebere mit, lache über ihre Unterhaltungen und Lexis Humor und freue mich darauf zu sehen, wie es mit ihnen weitergeht. Mittlerweile bin ich etwa bei der Hälfte meiner Vorstellung angelangt und wollte deswegen heute auch etwas davon mit euch teilen.

In dieser Szene schreiben Nathan und Lexi kurz miteinander, bevor sie Nate umabsichtlich anruft und sie sich dann so weiternecken. Ihr könnt bestimmt schnell in die Szene hinein- und gleichzeitig herausfinden, welche Haarfarbe Nathan hat und mit wem er sich gerne vergleicht ;)

 

Viel Spaß beim Lesen, vielleicht wollt ihr mich ja danach wissen lassen, wie die beiden euch gefallen :-*

 

Lexi: Woran erkennt man, dass eine Blondine am Computer saß? …
Am Tipp-Ex auf dem Bildschirm.
Drei mit Tränen in den Augen lachende Emoticons runden ihre freche Nachricht ab und ein ungewolltes Lächeln formt sich in meinem Gesicht, weil ich mich an ihr Lachen erinnere.
Nathan Foster: … Sorry. Falscher Empfänger … Totenkopfsmiley.
Lexi: Hahahaha! *böselach* Zu früh?!
Nathan Foster: Wenigstens weiß ich mit welcher deiner Persönlichkeiten ich gerade schreibe. Definitiv nicht seriöse Lexi… ein zwinkerndes Smiley.
Lexi: Hast du die Welt schon retten können, Robin Hood?
Nathan Foster: Robin Hood??? … Du bringst mich um, Mädchen. Und Arrow(!!!) nimmt seine geheime Identität nur in der Dunkelheit der Nacht an. Tagsüber hat er frei.
Lexi: Oh, alles klar! Das heißt ich soll mir schon mal den Abend freihalten, damit ich dein Leben wieder retten kann, wenn es drauf ankommt?
Ein Smiley mit Sonnenbrille und eines mit heraushängender Zunge folgen ihrer Nachricht.
Nathan Foster: Nicht meines, Lexi … es geht um etwas Größeres als mich … (denk dir jetzt dramatische Batman Musik dazu, dann wirkt der Spruch cooler)
Wieder dieses tränenlachende Emoticon und eine Hand, deren Daumen nach oben zeigt. Nur eine Zehntelsekunde später klingelt mein Handy erneut. Unterdrückte Nummer.
„Foster?“
„Oh hi!“ Sie hört sich überrascht an, dabei hat sie ja angerufen. „Ich spreche mit Arrow, richtig? Oder doch Batman? Ich bin verwirrt“, zieht sie mich frech auf.
„Ist alles treffend, solange du mich nicht wieder mit Robin Hood vergleichst. Konntest du es nicht mehr bis zum Abend erwarten, noch mal mit mir zu telefonieren?“ Was wird das, Nate?
„Ehrlich gesagt … habe ich nur den falschen Button gedrückt. Antworten liegt direkt neben Anrufen. Sorry.“
„Wirklich?! Hat der Spruch eigentlich schon jemals funktioniert?“, frage ich in gespieltem Missfallen und Lexi kichert. Ich schnippe die Zigarette weg, weil ich jetzt nicht mehr ausrauchen muss, wo Lexi am Telefon ist. Und nein, ich werde erst gar nicht beginnen darüber nachzudenken, wie bedenklich es ist, dass sie diese beruhigende Wirkung auf mich ersetzt.
„Tut mir leid, wenn ich dich gestört habe. Oder geweckt. Ich weiß ja, was die Strafe dafür ist“, scherzt sie in Bezug auf unser letztes Schreibgespräch, wo ich ihr erzählt habe, dass mich mein bester Freund und Mitbewohner Toby mehr oder minder mitten in der Nacht aus dem Bett gezerrt hat, weil er mir einen dämlichen Vorschlag unterbreiten wollte. „Ich hoffe, dein bester Freund hat den Tag trotz der bescheuerten Idee überlebt?!“
„Kaum“, antworte ich wahrheitsgemäß, gedankenversunken in Tobys Worte als wir im Taxi saßen. Er hatte mir vorher nie erzählt, dass er ebenfalls bei der Feuerwehr aussteigen wollte. Das war der Grund, weshalb ich wieder einmal nicht schlafen konnte. Seit gestern denke ich an kaum etwas anderes als dieses „Was wäre wenn … gewesen“, auch wenn mir klar ist, dass nicht mehr das Geringste ändern oder retten kann und das kotzt mich an.
„Okay, ich lass dich dann mal wieder gehen. Muss noch einiges erledigen, bevor ich zur Mästung bei der Addams Family abgeholt werde.“
Aber ich will noch nicht auflegen. Jetzt, wo ich vor der Tür meines Vaters stehe, bin ich dankbar für die neuerliche Verzögerung, bevor ich hineingehen muss. „Ist das deine Familie, von der du so liebevoll sprichst?“
„Es ist wahr! Ich liebe meine verrückten Eltern und meine Horde Geschwister, aber wir sind nunmal eine Großfamilie voller Exzentriker, die alles toll findet, was normalerweise bizarr oder makaber sein sollte.“
„Klingt in meinen Ohren alles andere als schlecht.“ Eher nach einer Menge Spaß.
„Ja, behalt das im Hinterkopf, solltest du sie eines Tages persönlich treffen.“ Viele Jahre hatte ich mir genau so eine Familie gewünscht. Vielleicht wäre Dad jetzt auch anders drauf, hätte er noch weitere Kinder, um die er sich kümmern wollen könnte … würde.
„Hey … alles in Ordnung?“, fragt Lexi sanft, nachdem ich nicht mehr antworte.
Ich blinzle mich aus meinen Gedanken. „Ja, klar.“
„Ich glaube, du lügst.“ Ertappt und irgendwie amüsiert grinse ich. Nicht nur, weil sie keine Sekunde gewartet hat um meinen Bluff aufzudecken, sondern auch, weil sie alles andere ist als verlegen, das so deutlich zu sagen, obwohl sie mich kaum kennt. Verdammt, dieses Mädchen kämpft sich bewusst oder unbewusst durch meine Schutzschichten.
„Bei dir beginne ich langsam meine genialen Anwaltsqualitäten in Frage zu stellen. Anwälte lassen sich nicht durchschauen. Wir stellen die Fragen.“
„Ist das denn etwas Negatives? Sich von jemandem sehen zu lassen?“
Ich antworte mit einem schwankenden Brummen. „Sagen wir mal ungewohnt. Unüblich.“
„Ich finde das gut. Lass es uns so beibehalten, in Ordnung? Keine Lügen. Keine Show, nur wir. So wie wir eben sind.“ Das ist eigentlich genau das Letzte, das ich sein will. Aber bei Lexi ist es viel zu leicht, das für kurze Zeit auszublenden. Vielleicht ist es also einen Versuch wert zu sehen, ob ich überhaupt noch da bin.
„Okay, Nathan?“, beharrt sie. Ich lache leise.
„Ja, Lexi. Mann, du bist ziemlich stur, hab ich recht?“
„Ich bin mit vier Geschwistern aufgewachsen. Da lernt man sich durchzusetzen. Und ja, ich denke, ich bin es nicht wirklich gewöhnt …“
„Dass Leute nicht das tun, was du willst? Dafür gibt es eine Bezeichnung, weißt du?“
„Oh Gott …“
„Verwöhnt“, beende ich meine Erklärung. Unverfälschtes Lachen sprudelt aus ihr heraus.
„Also das muss ich mir nicht anhören.“ Sie spielt falsche Beleidung vor. „Hören wir uns dann heute Abend wieder? Also rein professionell natürlich?“
„Natürlich …“, bestätige ich schmunzelnd. „Bei dir darf man ja sowieso nicht anderer Meinung sein.“
„Weißt du was, wenn ich es mir recht überlege, ruf lieber nicht an!“, lacht sie.
„Bis später, Lexi.“ Grinsend stecke ich das Handy in meine hintere Hosentasche. Mit ihrer unbeschwerten Art schafft sie es schon zum zweiten Mal, mich aus meiner Anspannung zu holen. Etwas leichter als sonst fallen mir die letzten Treppen zu dem Haus meines Vaters.

© Jessica Winter